Rockmusik für Genießer


Ein qualitativ außergewöhnlich gutes Konzert sahen die Rockfans am vergangenen Wochenende bei uns in der „Wolfsklause“ in Oberwolfach. Angefangen von der Vorband „The Enshins“ über den zweiten Act „Earthlimb“ bis hin zum Headliner „Sinew“ wussten alle Bands voll zu überzeugen.

Leider war der Besuch noch recht spärlich, als die vier Jungs von „The Enshins“ die Bühne enterten. Die Freiburger hätten für ihren flotten Indie-Rock eindeutig mehr Zuhörer verdient gehabt. Freunde von „Franz Ferdinand“ oder „The Strokes“ kamen voll auf ihre Kosten und für Songs wie „Good Morning Stranger“ oder „Second Class Hero“ gab es anerkennenden Applaus.

Pünktlich zu „Eartlimb“ füllte sich die „Wolfsklause“ dann ordentlich. Die Band besteht aus Mitgliedern von „Fear My Thoughts“, „Triptykon“, „Pigeon Toe“ und „The Hellcall“. Aber von brachialem Metal, auf den man aufgrund dieser Namen schließen könnte, war weit und breit keine Spur. Stattdessen führte der spannende musikalische Trip voll dramatischer Melodien und sphärischer Arrangements von Prog- über Postrock und Ambient bis in New Artrock-Gefilde hinein. Neben den musikalischen Qualitäten der Mannen um Ausnahme-Gitarrist Patrick Hagmann überzeugte auch der variable Gesang von Alex Bleiziffer restlos. Packende Songs der Marke „Oceans Of Astate“, „The Red Tide“ oder der Rausschmeißer „Waves“ sorgten für offene Münder und tosenden Applaus.


Die Messlatte lag nun sehr hoch für die Melodic-Alternative-Rocker „Sinew“. Doch die mittlerweile zum Fünfer angewachsenen Marburger zogen problemlos nach. Zwar ist der Sound von „Sinew“ um einiges poppiger als der von „Earthlimb“, aber hinsichtlich der musikalischen Qualität mussten die Zuhörer keinerlei Abstriche machen. Progressiver und bombastischer Rock traf hier auf melodiebetonten, zeitlosen Indie und gitarrenlastigen Alternative-Sound. Phasenweise wurde es vor allem bei den älteren Stücken auch etwas wilder, vor allem gesanglich. Die Songs strotzten vor traumhaften Melodien und packenden Refrains. Ebenso mitreißend war der charismatische Gesang von Frontmann Sascha Junker, dessen Stimme etwas an Brian Molko von „Placebo“ erinnerte. Sowohl Stücke wie „Eidolon“ oder „Charging Loki“ vom Debütalbum, als auch Hits wie „Leading To Rome“, „Turquoise“ oder „Mercy On Apollo“ vom neuen Album „Pilots Of A New Sky“ zeigten, dass „Sinew“ eine der kreativsten Hoffnungen sind, welche die deutsche Rock-Szene zu bieten hat. Die Darbietung wurde von den Fans kräftig beklatscht. Nach dem Konzert herrschte reger Betrieb am T-Shirt-Stand, wo einige CDs – sowohl von „Sinew“, als auch von „Earthlimb“ – den Besitzer wechselten.