Narziss“ eine Klasse für sich!


Zahlreiche Fans harter Musikklänge fanden sich am vergangenen Freitag in der Wolfsklause ein. Und zwar aus gutem Grund: die ostdeutsche Hardcore-Legende „Narziss“ gab sich in Oberwolfach die Ehre. Doch auch das Vorprogramm hatte es in sich.

Als Vorband durften die Lahrer „Lysis“ ihr Können unter Beweis stellen. Nach dem Intro zeigte der Fünfer mit „32 Teeth“ und „Illusion Of Sunset“ gleich mal, wo der Hammer hängt. Fetter Gitarren und aggressives Shouting sind die Trademarks der Band. Der Mix aus Metal, Hardcore und Deathmetal fand guten Anklang im Publikum. Unüberhörbar auch der Qualitätssprung, den „Lysis“ seit ihrem letzten Auftritt in der Wolfsklause vor gut zwei Jahren gemacht haben. Songs wie „Black And White“ oder das abschließende „1000 Demons Under 13 Suns“ dokumentierten dies eindrucksvoll.

Eigentlich war für den Job als zweite Support-Band die Szenen-Größe „Longing For Tomorrow“ eingeplant, welche jedoch absagen musste. Mit „The Hand Of Glory“ konnte das „Wolfsklause“-Team jedoch ein echtes Ass aus dem Ärmel ziehen. Stilistisch ist die Musik der Hessen zwar etwas anders gelagert als bei den deutsch singenden „Longing For Tomorrow“, aber vom Niveau her waren „The Hand Of Glory“ mehr als nur ein Ersatz. Zwei Fünftel der Band stammen aus den USA, sind aber mittlerweile in Deutschland sesshaft. Der US-Metalcore á la „Killswitch Engage“ schimmert im Sound der Kapelle aber immer noch durch. Gepaart mit solider deutscher Gitarrenarbeit und dem guten Gesangswechselspiel zwischen Aggro- und Emo-Stimme, entstand ein explosives Gebräu, das bei Stücken wie „Carry The Weight Of The World“, „Red Tides“ oder „Falling Upon A Tragedy“ auch live prächtig funktioniert. „The Hand Of Glory“ ist eine Band mit richtig viel Potenzial, die sich an diesem Abend viele neue Fans gemacht hat.

Doch es kam noch besser. Waren die Publikumsreaktionen bei den Vorbands zwar gut, aber nicht euphorisch, so änderte sich das Bild beim Headliner „Narziss“ schlagartig. Kaum ertönten die ersten Klänge des Openers, da tickten die Fans völlig aus. Vor der Bühne war die Pogo-Wut ausgebrochen und auch in den hinteren Reihen fiel das Stillstehen schwer. Die Szene-Helden aus Jena sind live eine absolute Macht, das stellten sie auch in der „Wolfsklause“ wieder eindrucksvoll unter Beweis. Granaten wie „Meine Kleine Seele“ oder das geniale „Rätsel“ verwandelten die Tanzfläche ins reinste Schlachtfeld. Die äußerst sympathischen Thüringer bauten mit „Maskerade“ auch einen etwas ruhigeren Teil in ihr Konzert ein, um dann aber mit „Mein Brennend Herz“ und „Ita Est“ wieder zwei volle Breitseiten abzufeuern. Bestanden die älteren Songs vornehmlich aus derbem Hardcore, so sind in den neuen Sachen auch melodische Momente und eine Brise Metal zu finden. Abwechslung wird groß geschrieben, auch die Stimme von Alexander Bartsch pendelt zwischen aggressivem Shouting und klarem Gesang. Zusammen mit den intelligenten deutschen Texten entsteht ein Gesamtbild, welches in Deutschland seines Gleichen sucht. Dass die Fans in der sehr gut besuchten „Wolfsklause“ dies auch so sehen, unterstrich deren Reaktion beim Rausschmeißer „Der Achte Tag Der Woche“ noch mal überdeutlich. Großartiger Auftritt einer großartigen Band!

Im November erwartet die Rockfans ein Konzert-Doppelpack in der „Klause“. Am Freitag, den 6.11. präsentieren die Münchner „The Blackout Argument“ einen packenden Mix aus Punk, Hardcore und Metal und am Samstag, den 7. November, sind im Rahmen der „Hitradio Ohr Party-Nacht“ die Bands „Sick Of The Law“ („Nirvana“-Style), „Izzy Bizzy“ (Alternative-Funk-Punk-Mix) und „Infected Slaves“ (Rock) in Oberwolfach zu Gast.